Inklusion leben: Workshop mit der Autismusambulanz des Universitätsklinikums Dresden

Manchmal verstehen wir Dinge erst wirklich, wenn wir sie nicht nur hören, sondern am eigenen Körper erfahren. So ein Tag war im November in der Stammgruppe MilkyWay. Ein Experte der Autismusambulanz am Universitätsklinikum “Carl Gustav Carus” besuchte die Gruppe für einen Workshop zum Thema Autismus. Er hat die Besonderheit des Autismus nicht „nur erklärt“, sondern die Kinder der Jahrgangsstufen 4 bis 6 an verschieden Beispielen aktiv erleben lassen.

Unter anderem sollten sie beim Geräusch-Memory unter richtig lauten Störgeräuschen arbeiten und die Memorygeräusche finden – und sich gleichzeitig zusätzliche Informationen merken und anschließend weitergeben. Das war für viele von uns extrem anstrengend. Der Versuch die vielen Reize zu filtern, gelang nur schwer. Genau das sollte zeigen, wie schwer es für autistische Menschen oft ist, den Fokus zu halten, weil Reize nicht weggefiltert werden. Es prasselt alles gleichzeitig ein. Fokus ist dann kein einfacher „Willensakt“, sondern teilweise schlicht kaum möglich.

In einer weiteren Übung sollten Perlen aufgefädelt werden. Ein Kind trug dabei dicke Winterhandschuhe, ein anderes viel zu große Montagehandschuhe und sie arbeiteten dadurch deutlich langsamer und unpräziser als das Kind ohne Handschuhe. Gleiche Aufgabe – aber völlig ungleiche Bedingungen. Auch diese Übung war nicht nur „zum Spaß“, sondern sollte uns klar machen, dass ein und die selbe Aufgabe bei Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen teilweise möglich ist und andererseits ein unlösbares Problem darstellt mit all seinen Folgen wie Frustration, sinkendem Selbstvertrauen, Rückzug, Vermeidung etc. 

Am Ende haben die Kinder gemeinsam erarbeitet, wie diese Unterschiede ernst genommen werden können und im Alltag respektvoll und entlastend miteinander umgegangen werden kann. Zum Beispiel klare Struktur, klare Kommunikation, verlässliche Orientierung und ein deutlich formuliertes „Stopp“, wenn eine Grenze erreicht ist.

Der Workshop hat allen auf eine sehr eindrucksvolle Art, mit diesen und weiteren Übungen, gezeigt:

Autismus ist keine Laune und keine „Überempfindlichkeit“. Autistische Menschen nehmen die Welt anders wahr. Und wenn das ernst genommen wird, können Missverständnisse, Überforderung und Vorurteile deutlich reduziert werden.

Dieser Tag hat sichtbar gemacht, warum Verständnis nicht nett – sondern notwendig ist und das Gerechtigkeit dann entsteht, wenn wir Menschen nicht gleich machen wollen, sondern ihnen ermöglichen, unterschiedlich sein zu dürfen. Die Schülerinnen und Schüler der Stammgruppe MilkyWay und ihre Lernbegleitung können ihr Expertenwissen nun weiter in die Schulgemeinschaft hineintragen.

Vielen Dank für den Bericht an Lernbegleiterin Friederike Heber.